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Studium der populären Künste (Teil 1)

05. Juli 2010, von  Bernhard Blöchl
Deutschland hat eine neue Medienakademie: Seit kurzem gibt es die Hochschule der populären Künste (hdpk) in Berlin. "Der Zuspruch ist enorm", sagt der Geschäftsführer Thoralf Buller. Im ersten Teil des Interviews geht es um Philosophie und Besonderheiten der FH.
Studenten vor der hdpk (Fotos: hdpk).

Seit April bildet die Hochschule der populären Künste (hdpk) Studenten in den staatlich anerkannten Bachelor-Studiengängen Ton- und Musikproduktion, Medienmanagement und Mediendesign aus. Den Abschluss "Bachelor of Music Ton- und Musikproduktion" gab es in dieser Form in Deutschland bisher noch nicht. In Berlin ging's los, eine Expansion nach Hamburg und München ist in Planung. "Der Zuspruch ist enorm", sagt der Geschäftsführer Thoralf Buller. Im Interview mit dem music supporter gibt Buller Einblicke in das Studium und erklärt die Besonderheiten der privat finanzierten FH, die zur music support group gehört.

 

Herr Buller, bitte umreißen Sie kurz die Philosophie, die der Hochschule der populären Künste zugrunde liegt.

 

Thoralf Buller: Das lebenslange Lernen ist das Motto vieler Hochschulen. Für mich war es eine grundsätzliche Frage: Wie kann ich mich von dieser Begrifflichkeit ein bisschen lösen, weil sie inflationär gehandhabt wird? Jeder schreibt vom lebenslangen Lernen, aber was verbirgt sich eigentlich dahinter? Nach einem Diskurs sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass unser Leitbild ein sokratisches Leitbild ist, das auf drei Säulen fußt: gute Ideen entwickeln, Selbsterkenntnis haben und einen fortwährenden Diskurs führen. Daraus entwickeln wir den Begriff des lebenslangen Lernens.  

 

Sie bieten zunächst drei Studiengänge an: Medienmanagement, Mediendesign und Ton- und Musikproduktion. Neu in Deutschland ist der Abschluss Bachelor of Music Ton- und Musikproduktion. Was kann man sich darunter vorstellen? 

 

Buller: Der Bachelor of Music ist ein sehr hochwertiger Abschluss. Normalerweise dauern die Musikabschlüsse vier Jahre oder länger. Wir haben ihn auf drei Jahre angelegt - aus einem einfachen Grund: Wir wollen keinen perfekten Musiker haben. Sondern jemanden, der beide Seiten versteht und beurteilen kann, ob es eine gute Qualität ist, die er da erzeugt hat - sowohl als Produzent als auch als Musiker. Das bedeutet nicht, dass er keine Instrumente beherrscht - auch bei uns kommen Musiker raus. Unser Vorbild ist das US-amerikanische System. Der Vorteil ist klar: Wir haben ein Klientel, das viel flexibler einsetzbar ist. Unseren Absolventen kann ich zum Beispiel auf eine Tour mitschicken, bei der er das Equipment vorbereitet und die Instrumente stimmt. Er kann sich mit den Musikern über deren Probleme ebenso unterhalten wie er auch die Kollegen von der Raumbeschallung versteht. Im Studio funktioniert das genauso.

 

Sie haben eben das US-amerikanische System erwähnt. In den USA gibt es die Ausbildung im Bereich Ton- und Musikproduktion so bereits. Warum in Deutschland bisher noch nicht? 

 

Buller: In den USA gibt es die Verbindung Ton- und Musikproduktion sogar sehr häufig. In Deutschland bisher selten, weil es hier vom Selbstverständnis her eine klare Trennung gibt, wie Ton- und Musikproduktion abläuft: Da sind die Ton-Experten auf der einen Seite, die Musiker auf der anderen. Bei uns findet eine Symbiose von beiden statt. Nicht hin zum Spitzenwert, aber so, dass sie mit beiden professionell arbeiten können.   

 

Thoralf BullerWie unterscheidet sich die hdpk von anderen, vergleichbaren Hochschulen noch?

 

Buller: Mit Mediendesign und Medienmanagement haben wir zwei vergleichbare Studiengänge. Hier orientieren wir uns an den Standards des Marktes und bieten eine sehr gute Qualität an. Diese Studiengänge funktionieren flankierend und übergreifend. Eine echte Alleinstellung haben wir mit dem Studiengang Ton- und Musikproduktion.

 

Die hdpk ist eine künstlerische Fachhochschule, keine wissenschaftliche. Dennoch betreiben Sie auch Forschung.

 

Buller: Das ist richtig, Forschung müssen alle betreiben, auch künstlerische Hochschulen - und wir nehmen diese Herausforderung gerne an. Es kommt immer darauf an, wie man seine Schwerpunkte setzt. Wir sind aufgrund unseres Studiengangsangebots als künstlerische Fachhochschule eingestuft. Wir werden aber ab 2013 zudem einen Bachelor of Engineering anbieten, der das Angebot unserer Medienstudiengänge abrundet.

 

Wie sieht das Studium in der Praxis aus? Es ist von "projektorientierter Arbeit" zu lesen, gleichzeitig von "medientheoretischen Ansätzen", die vermittelt werden sollen. Wie groß ist der Anteil der Praxis?

 

Buller: Der Seminaranteil - das ist der praktische Anteil - überwiegt deutlich. Dies wird durch Praxis-Module gewährleistet: "Produktion" oder "Text, Moderation, Redaktion" im Medienmanagement zum Beispiel oder im Musikbereich "Komposition", "Instrumentalmusik" oder "Ton". Was dabei theoretisch vermittelt wird, geschieht begleitend. Wir haben aber auch rein theoretische Module, wie zum Beispiel die beiden Einheiten "Management" im fünften und sechsten Semester Ton, das sind dann eher Vorlesungen mit Übungen. Das bezieht sich auch auf die Module "Musikwissenschaft", wo es ebenfalls um das reine Lernen von Inhalten geht, oder "Medienrecht", "Medienethik" und Fach-Englisch. Es gibt dann noch eine andere Schlüsselqualifikation, "Persönlichkeitstraining", das ist dann tatsächlich eine 1:1-Situation im Seminar.     


Im zweiten Teil des Interviews geht es um die Ausstattung der hdpk und die Berufsaussichten für Absolventen (siehe weitere Artikel).


Die hdpk im Überblick

 

  • hdpk in BerlinWas? Die Hochschule der populären Künste ist eine staatlich anerkannte Fachhochschule. Sie ist privat finanziert und gehört zur Münchner music support group. Derzeit werden die Bachelor-Studiengänge Medienmanagement, Mediendesign und Ton- und Musikproduktion angeboten.  
  • Wo? Berlin. Die Standorte Hamburg und München sind in Planung.
  • Wer? Voraussetzung für das Studium ist die allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder die Fachhochschulreife. Weitere Voraussetzungen für die Studiengänge Mediendesign und Ton- und Musikproduktion sind eine Vorauswahl und eine Zugangsprüfung. Ausländische Bildungsabschlüsse unterliegen der Einzelfallprüfung auf Gleichwertigkeit.
  • Wann? Beginn des ersten Semesters ist jeweils der 1. April oder der 1. Oktober. Jeweils am 15. Februar oder 15. August ist der Bewerbungs- und Einreichungsschluss für das folgende Semester. Die ersten Kommilitonen haben am 1. April 2010 ihr Studium aufgenommen.
  • Wie lange? Die Ausbildung dauert sechs Semester.
  • Wie teuer? Die monatliche Gebühr beträgt 549 Euro, die Einschreibegebühr einmalig 200 Euro.


Aktuelles aus der hdpk: Gratis-Assessment-Center und Stipendium  

 

  • Am Samstag, 17. Juli, gibt es für Studieninteressierte ein Assessment-Center zum Thema Qualität im Medienmanagement. Von 10 bis 14 Uhr können sich die Kandidaten auf Teamfähigkeit, Wissen und Sozialkompetenz prüfen lassen. In einem schriftlichen Test geht es zunächst um Fragen aus den Bereichen Medien und Gesellschaft, danach folgen Einzel- und Gruppengespräche. Die Ergebnisse werden ausführlich mit den Teilnehmern besprochen. Der überzeugendste Kandidat darf unter fünf verschieden praxisorientierten Kursen der Deutschen POP wählen. Wer bei dem Assessment-Center in Berlin dabei sein möchte, muss sich bewerben – mit ausführlichem Lebenslauf und den Gründen für das spezifische Interesse an Medienmanagement. Per Brief oder E-Mail an: Dr. Matthias Welker, hdpk, Otto-Suhr-Allee 24, 10585 Berlin. Mehr Infos: hier.

 

  • Die hdpk schreibt ein Stipendium für den Studiengang Mediendesign aus. Die Aufgabenstellung: Kommuniziere deine persönliche Perspektive in der Medienbranche und visualisiere deine Wünsche, Hoffnungen und Ziele im Berufsfeld Mediendesign. Um die Jury zu überzeugen, kann man sich aller visuellen Medien bedienen: Grafik, Fotografie, Illustration, Internet oder Video. Hauptsache, man macht klar, wo seine Vision und Leidenschaft für Medien und Design liegt und was man unbedingt mit Mediendesign anfangen möchte. Einsendeschluss ist der 20. August 2010. Per E-Mail an: Susann Butnop, hdpk, Otto-Suhr-Allee 24, 10585 Berlin. Mehr Infos: hier.


Kurzinfo: Thoralf Buller

 

Thoralf Buller ist ein Experte im Bildungswesen. Die hdpk ist nicht die erste Hochschule, die er eröffnet. "Ich habe vorher in Berlin die Hochschule für Licht und Design aufgebaut", erzählt der Berater, der auch Erfahrung in der Unternehmenskommunikation und im Wirtschaftsrecht hat. Der Verkauf der Einrichtung, die nun "EDU.CON University" heißt, habe dazu geführt, dass er gemeinsam mit Rüdiger Veith das Konzept für die hdpk entwickelte. "Mit den Planungen haben wir im Dezember 2008 angefangen", sagt Thoralf Buller, der das neue Projekt mit dem Chef der music support group zielstrebig anging. "Seine Frage an mich war: Kann man mit den Programmen der Deutschen POP auch Bachelor-Abschlüsse anbieten? Ich habe das dann geprüft und Anpassungen vorgenommen. Mein Konzept ist schließlich hier in Berlin entstanden."

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