musicsupporter.de  »  Kommunikation  »  Artikel – Auf du und du mit den Stars (Teil 1)

Auf du und du mit den Stars (Teil 1)

09. Juli 2010, von  Thomas Joppig
Egal ob Hugh Grant, Beth Ditto oder Shakira - Mirjam Weichselbraun hatte sie alle schon vor dem Mikro. Seit sieben Jahren führt die ZDF-Online-Moderatorin Gespräche mit den prominenten Gästen von "Wetten, dass...?" Ein Interview über Stars und die Kunst des Interviews.
Mirjam Weichselbraun (Fotos: Kruger Media).

Seit sieben Jahren führt die Mirjam Weichselbraun Gespräche mit den prominenten Gästen von "Wetten, dass...?" Ihre Videointerviews auf wettendass.zdf.de sind Fundstücke für alle, die mehr über die Stars erfahren wollen als beim Smalltalk mit Thomas Gottschalk. Wie sie sich auf die Gespräche vorbereitet, wie sie die Promis erlebt, und was ihr in den Interviews wichtig ist, verriet die 28-jährige Österreicherin im Gespräch mit dem musicsupporter.

 

Mirjam, die Bandbreite deiner Gesprächspartner reicht von Opernsängern über Sportler und Models bis zu Rockstars. Gab es bei "Wetten, dass...?" auch schon Gäste, bei denen du dachtest: Hilfe, wie soll das denn werden?

 

Mirjam Weichselbraun: Ja, ich erinnere mich noch gut an ein Wochenende, an dem Mariah Carey bei mir bei MTV zu Gast war. Ich habe mich da schon nicht mit ihr verstanden, fand sie ganz schlimm. Und leider, leider (grinst), hat sie das Interview für ZDF online dann abgesagt. Sylvester Stallone war auch schwierig. Der kam mit großem Gefolge ins Studio und ging sofort wieder raus. Und dann wurde mir über acht Ecken zugespielt, dass er auf der anderen Seite des Sofas sitzen wollte. Das sind Situationen, in denen ich denke: Na super, wie soll denn dann das Interview werden?

 

Und wie lief es?

 

Mirjam: Es ging, aber besonders locker oder überraschend war das Gespräch nicht. Es gibt eben Stars, bei denen man sich wohl fühlt und andere, bei denen das eher weniger der Fall ist. Aber meistens läuft es sehr positiv. Wobei ich die Erfahrung gemacht habe: Je größer der Name, desto angenehmer ist der Star meistens, von den genannten Ausnahmen mal abgesehen ...

 

Wer gehörte bislang zu deinen liebsten Interviewpartnern?  

 

Mirjam: John Malkovich zum Beispiel. Das ist jemand, der einfach ganz ehrlich erzählt. Der überlegt nicht über tausend Ecken, damit er werbetaugliche Sätze von sich gibt. Der guckt dich an und spricht mit dir. Auch Cecilia Bartoli und Rolando Villázon fand ich toll. Die haben mich jedes Mal begeistert, weil sie selbst so begeistert über ihre Opernauftritte gesprochen haben. Die haben mir eine Welt gezeigt, von der ich vorher nicht so viel Ahnung hatte. Besonders gute Erfahrungen habe ich auch mit Sportlern gesammelt. Es gibt eigentlich in jeder Show einen oder zwei Stars, bei denen ich nach dem Gespräch sage: Das war super.

 

Was ging dir durch den Kopf, als damals die Anfrage vom ZDF kam?

 

Mirjam: Ich hatte keine genaue Vorstellung von dem, was da auf mich zukommt. Aber ich wusste, dass es "Wetten, dass...?"  ist - die größte und wichtigste Show in Deutschland und eine meiner Lieblingsshows. Es ist toll, ein kleiner Teil davon zu sein.  "Wetten, dass..?" ist für mich Fernsehen. Da gehen die Lichter an, da beginnt eine Show, da werden Leute in der Halle unterhalten. Das können sich alte Menschen genauso gut anschauen wie Kinder. Ich finde das toll, deshalb sehe ich mir auch immer gern die Proben an, wenn ich schon nicht die Sendung selbst live sehen kann.

 

Mirjam und Joko bei The DomeSiehst du die Promi-Interviews als Ergänzung zu dem oft nur kurzem Sofa-Smalltalk in der Sendung?

 

Mirjam: Ja, dafür sind wir da. Für die Kürze der Zeit stellt Thomas Gottschalk die richtigen Fragen. Wer mehr über die Stars wissen will, erfährt es dann bei uns.

 

Wo bist du während der Sendung?


Mirjam: Immer hinter den Kulissen. Das geht gar nicht anders, weil viele Stars erst kurz vor der Show eintreffen. Wir versuchen möglichst jedem ein Online-Interview zu entlocken, aber manchmal ist selbst dafür die Zeit zu knapp.  Ich habe seit sechs Jahren keine "Wetten, dass...?"-Sendung mehr aus der Zuschauerperspektive erlebt.

 

In deiner Heimat Österreich gehörst du zu den prominentesten Fernsehgesichtern. Auch in Deutschland wirst du immer bekannter. Hilft dir das, Menschen zu verstehen, die noch viel stärker als du selbst unter öffentlicher Beobachtung stehen?

 

Mirjam: Ich denke schon. Manche Fragen stelle ich zum Beispiel nicht, weil ich weiß, wie unangenehm sie sind und wie fehl am Platz. Zum Beispiel Fragen nach einer Trennung. Ich weiß, dass viele Leute gern etwas darüber hören würden. Aber mich interessiert es nicht, und ich verstehe es, wenn Leute darüber nicht reden wollen. Und was bringt es mir, wenn ich eine Frage stelle, als Antwort "Dazu will ich nichts sagen" bekomme und danach die Stimmung total mies ist?

 

Welche Interviewpartner stehen denn auf deiner Wunschliste ganz oben?

 

Mirjam: Ich glaube, dass George Clooney total unterhaltsam ist, ich würde Barack Obama gern mal interviewen, man darf ja nach den Sternen greifen. Ich hab ja Michail Gorbatschow auch schon mal interviewt, der war auch ein toller Gesprächspartner. Ach, da gibt's ganz viele. Woody Allen, Scarlett Johansson …

 

Sind Männer für eine attraktive Frau wie dich oft die unkomplizierteren Gäste?

 

Mirjam: Manchmal vielleicht schon. Aber es kann auch genau das Gegenteil der Fall sein. Bei manchen Männern merke ich, dass sie mich am Anfang nicht ganz ernst nehmen, weil sie offensichtlich denken: "Ach, das ist so ne kleine blonde Maus". In solchen Fällen muss ich gleich am Anfang mit guten Fragen einsteigen, bei Fußballern zum Beispiel mit totalem Insiderwissen punkten (lacht). Nach den ersten zwei Fragen sind die Vorurteile dann weg. Wenn die merken, dass du dich mit ihrer Biografie auskennst und wirklich Interesse hast, spielt das Aussehen keine Rolle mehr. Ich frage nur nach Dingen, die ich wirklich wissen will. Echtes Interesse und gute Vorbereitung - das ist für mich das Wichtigste.


Im zweiten Teil des Interviews erzählt Mirjam Weichselbraun, wie sie sich auf Interviews vorbereitet und welche Tipps sie für Einsteiger hat (siehe weitere Artikel).


Kurzinfo: Mirjam Weichselbraun

 

Mirjam Weichselbraun, 28, stammt aus Innsbruck. Erste Moderationserfahrungen sammelte sie von 1998 an bei Radio Antenne Tirol. 2000 wurde sie zum "Bravo Girl des Jahres" und moderierte erstmals bei TV Tirol und Viva plus. Zwei Jahre später wechselte sie als Moderatorin zu MTV. 2005 war sie erstmals als Gastgeberin der Sendung "Dancing Stars" zu erleben, dem österreichischen Pendant zu "Let's Dance". In Deutschland moderierte sie ein Jahr später an der Seite von Wayne Carpendale die RTL-Show "Dancing on Ice".

Als Schauspielerin konnte man sie bislang unter anderem in der ProSieben-Märchenstunde und im TV-Film "Die Rosenkönigin" erleben, wo sie an der Seite Maximilian Schell spielte. 2008 wurde sie mit der Goldenen Romy, dem wichtigsten Fernsehpreis Österreichs, als beliebteste Talk- und Showmasterin ausgezeichnet. 2009 war Mirjam Weichselbraun mit dem Film "Hangtime" auch auf der Kinoleinwand zu erleben. Zudem feierte sie 2009 ihr Musical-Debüt in dem Stück "Manche mögen's heiß" in den Wiener Kammerspielen. Mirjam Weichselbraun ist regelmäßig als Gastgeberin der RTL-II-Chartshow "The Dome" zu erleben. Anfang des Jahres moderierte sie zudem die Klassiksendung "Die schönste Oper aller Zeiten" an der Seite von Star-Gage Daniel Hope. Bei "Wetten, dass...?" ist sie seit sieben Jahren als Onlinemoderatorin zu erleben.

Übermittlung Ihrer Stimme...
Bewertungen: 4.2 von 5. 5 Stimme(n).
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.